Buch
Porträts
In «Anders alt» erzählen zehn Menschen von ihrem Altwerden, wie sie leben und was sie noch erleben wollen. Sie berichten von Selbstbestimmung, Abschieden – und von dem, was bleibt. Sie denken über Gemeinschaft nach und über den Tod. Die sieben Frauen und drei Männer geben Einblicke in ihre späten Lebensjahre, die vor allem eines sind: Jahre voller Leben.
«So verschieden wie im Alter sind die Menschen in keiner Lebensphase zuvor», sagt die Soziologin Sabina Misoch im Buch. Diese Vielfalt wird in der öffentlichen Wahrnehmung unterschätzt. «Anders alt» lässt die Lesenden in zehn Lebenswelten eintauchen und lädt zum Umdenken ein. Die Porträtierten zeigen in ihren sehr persönlichen Erzählungen: Altern ist keine Endstation – sondern ein Lebensabschnitt voller Veränderung, Mut und neuer Wege.

Victor, 1943
«Ich spotte nicht mehr über Spiesser, ich bin selbst einer»
Er tritt als Nacktdarsteller auf und heitert gerne Fremde im Supermarkt auf. Er hat dem Tod in die Augen geblickt – und gelernt, im Moment zu leben.

Judith, 1968
«Grosi wollte ich mit Anfang vierzig nicht heissen»
Wenn sie mit einem ihrer Enkelkinder unterwegs ist, wird sie für die Mutter gehalten. Sie steht mitten im Beruf – doch langsam beschäftigt das Älterwerden auch sie.

Vreni, 1948
«Vielleicht sollte ich meine eigene Todesanzeige schreiben»
Sie ist in die Berge gezogen, steigt auf Gipfel und schwimmt in kalten Gewässern. Ein Berufsleben lang hörte sie Menschen zu – jetzt nimmt sie sich am liebsten Zeit fürs Alleinsein.

Heidi, 1954
«Dass wir älteren trans Menschen uns zeigen, ist wichtig»
Sie lebte fast siebzig Jahre in einem Körper, der nicht ihren Gefühlen entsprach. Dann entschloss sie sich zur radikalen Befreiung – heute setzt sie sich für die Sichtbarkeit von trans Frauen ein.

Josef, 1952
«Einen Traum habe ich noch: das Kap Hoorn zu umrunden»
Er rechnete nicht mit einer neuen Liebe. Nun pendelt er mit seiner Partnerin zwischen Hamburg und der Schweiz – und lebt mit der Familie seiner Tochter in einem Haus.

Martina, 1948
«Ich fürchte mich nicht davor, geistig abzubauen»
Sie war Ordensfrau und führt mit ihrer Freundin eine Lebensgemeinschaft. Vor Gebrechlichkeit hat sie keine Angst – sondern bereitet sich darauf vor.

Karin, 1948
«Ich war auf der Stelle verknallt in ihn»
Sie ist vielseitig engagiert und lebte lange als Single. Mit Mitte siebzig verliebte sie sich in einen deutlich jüngeren Mann – und musste sich mithilfe der Polizei wieder von ihm lösen.

Fritz, 1956
«Es ist schön, zu spüren, dass man gebraucht wird»
Er arbeitet weiterhin auf dem Bauernhof, den er seinem Sohn übergeben hat. Am liebsten ist er bei den Kühen – wenn sie krank sind, setzt er auf Homöopathie.

Margrit, 1949
«Enkelkinder hüten ist Arbeit, auch wenn es Spass macht»
Um die Rente aufzubessern, arbeitet sie als Therapeutin und vermietet Zimmer in ihrem Haus. Mit den Mitbewohnenden teilt sie Küche und Bad – am liebsten sind ihr junge Männer.

Gladis, 1960
«Das Alter macht, dass ich viele Dinge bewusster wahrnehme»
Je älter sie wird, desto mehr denkt sie an ihre Kindheit in Peru. Der Unfall ihres Mannes machte sie zur pflegenden Angehörigen – und führte sie mit 62 zu einer neuen Ausbildung.


